Hallo zusammen,
seit meinem letzten Post ist eine Menge Zeit vergangen. Neun Jahre um genau zu sein. Die Tatsache, dass ich hier schreibe beweist schon, dass ich nach wie vor am Leben bin – dazu noch quitsch fidel… naja, mehr oder weniger, aber ganz langsam von vorne. Ich möchte die letzten 10 Jahre nach der Transplantation am 14. Oktober 2006 noch mal revue passieren lassen und euch erzählen, was ich aus meiner zweiten Chance, meinem zweiten Leben gemacht habe.
Nachdem ich 2009 Abitur gemacht hatte, fing ich ein duales Studium an der DHBW Lörrach an. Ein Bachelor in BWL-Healthcare Management sollte es sein. Die Zeit im Krankenhaus hat offensichtlich Spuren hinterlassen. Jedenfalls war mein Partnerunternehmen, bei dem ich in den Praxisphasen arbeiten durfte eine große Schweizer Pharmafirma. Ich bin also 2009 in eine kleine 30qm Wohnung in Lörrach gezogen. Ich durfte außerdem 2012 ein dreimonatiges Praktikum in England machen, währenddessen ich sogar für eine Woche in die USA geflogen bin. All das hätte ich mir ein Jahr nach der Transplantation wohl in der Art noch nicht vorstellen können. Nach dem Studium bekam ich eine Stelle im internen Rechnungswesen in Basel, wo ich bis heute noch arbeite. Nebenher habe ich mich immer versucht fit zu halten, hauptsächlich im Fitnessstudio – mal mehr, mal weniger 🙂 Trotzdem, so ganz lies mich die Herz-Vergangenheit nie los. Natürlich nehme ich täglich zwei mal meine Immunsuppression ein, um eine Abstoßung zu verhindern, aber es stellte sich heraus, dass nicht das Herz Probleme machen sollte. Vielmehr litten mein Hüftgelenke unter der hohen Cortison-Dosis kurz nach der Transplantation und darunter, dass ich so gut wie keine Muskulatur mehr hatte. Da ich 2011 kaum noch schmerzfrei laufen konnte, unterzog ich mich einer Hüft OP und bin seit anhin also nicht mehr nur herztransplantiert, sondern auch Hüftprothesen Träger. 2015 war dann die andere Seite dran. Wie mir noch in der Klinik vor zehn Jahren prognostiziert wurde, macht also weniger das Herz, als vielmehr Nebenwirkungen das Leben schwer. Zum Glück blieb es bis heute aber bei den beiden Hüft-OPs, die in Folge der Transplantation auf mich warteten.
Bis heute… heute… wenn ich an heute, bzw. die jüngere Vergangenheit denke, denke ich vor allem an die letzten drei Jahre, seit denen ich mit meiner Freundin Johanna zusammen bin. Wir wohnen zusammen in Freiburg, ich pendel mit dem ICE nach Basel zur Arbeit. Schöner Nebeneffekt hier: Ich spule ein tägliches “Trainingsprogramm” von insgesamt 10 km Fahrrad fahren ab. Noch mal zurück zu Johanna. Wir werden nächstes Jahr sogar heiraten, worauf ich mich sehr freue. Es wird vermutlich außerdem ein Novum, nämlich eine Transplantierten Hochzeit. Genau, ich habe sie im Rahmen von Patiententreffen der Uniklinik kennen und lieben gelernt und ich muss sagen, die Gemeinsamkeit “Herztransplantation” hat sehr viel positives in die Beziehung eingebracht, von Verständnis bis hin zu Motivation.
Nunja, jetzt sind es also 10 Jahre Herztransplantation. Ich bin sehr froh, dass es mir so gut geht und dass mein neues Herz fleißig und zuverlässig pump. Außerdem dankbar für die verlängerte Lebenszeit. Trotzdem denke ich an diesem Jubiläum auch an die Aussagen der Ärzte von damals, dass so ein transplantiertes Herz schon mal gut 10 bis 20 Jahre arbeite. Das lässt mich natürlich auch grübeln, wie lange der gute Gesundheitsstatus noch aufrecht zu erhalten ist. Ich fühle mich mit meinen fast 27 Jahren schon teilweise träge und erschöpft, als wäre ich 20-30 Jahre älter. Auf der anderen Seite sagt mir dieses Gefühl auch immer, dass ich die Zeit, die ich habe genieße und jeden schönen Moment auskoste.
In diesem Sinne, auf die nächsten 10 Jahre und viele schöne Momente 🙂
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